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Scharmhaar im Beginn der Neuzeit

Bild: Die Vereinigung von Erde und Wasser von Peter Paul Rubens 1577-1640 Im letzten Teil der Geschichte des Scharmhaars im Mittelalter bin ich schon auf die Intimrasur bei der Hexenfolter eingegangen. Die Hexenverfolgung hatte in den ersten Jahrhunderten der Neuzeit ihren Höhepunkt. Auch mit der kompletten Enthaarung der Hexenopfer wurde in der Neuzeit gerne und häufig praktiziert.

Ob nun die Frauen der Neuzeit des 15. bis 18. Jahrhunderts ihre Scharmhaar trugen oder entfernten ist nicht eindeutig nachweisbar. In der Malerei wurde, wie man rechts auf dem Bild von Rubens sehen kann, verdeckt. Es ist anzunehmen, das einige Frauen ihre Scharmhaar abschnitten. Das wird dann aber eher hygienische Gründe gehabt haben. Denn auch am Anfang der Neuzeit hatten die Menschen mit den verschiedensten Parasiten zu kämpfen.

Schambehaarung des Barock und Spätbarock (1600 - 1780)

Ludwig XIV, Sonnenkönig - Porträt von Hyacinthe Rigaud um 1700 Am französischen Hof wurde die Rasur der Scharmhaare im 18. Jahrhundert wieder sehr populär. Bei Herrschern wie Ludwig XIV. entwickelte die Entfernung des Schambehaarung zum gängigen Schönheitsideal. Dies hatte rein ästhetische Gründe. Als Schönheitsideal galt im Barock die Jugend. Die Frauen Entfernten ihre Scharmhaare, um ihren Liebhaber ein jugendliches oder gar kindliches Aussehen bieten zu können. Schnell versuchten alle Gattinnen der Höflinge diesem Ideal zu entsprechen und die Intimrasur fand Verbreitung beim Adel in ganz Frankreich. Auch die reiferen und älteren Damen dieser Zeit epilierten sich den Intimbereich, um ihren Liebhabern wenigstens die Illusion schenken zu können, dass sie noch unreife Früchte sein.

Ruhendes Mädchen von Francois Boucher um 1752 Vor allem die zahlreichen Gemälde verschiedener Modemaler, wie z.B. Francois Boucher zeigen, wie man sich im Barock einen perfekten weiblichen Körper vorgestellt hat. Zu sehen sind Frauen, die bis auf das Haupthaar komplett enthaart sind. Es wurden also auch die Achselhaare und Beinhaare mit entfernt. Die Scham selber, wurde im Barock nicht gemalt. Meist liegen die Frauen daher auf dem Bauch oder verhüllen die Scham durch ein dünnes Tuch.


Sexfantasien von de Sade aus Illustrations from a Dutch printing of Juliette, um 1789 Aber auch, wenn im Barock die Frauen des Adels ihre Scham gerne nackt und geschoren dem Liebhaber präsentieren. So tun dies doch nicht alle Frauen. Wurden im frühen Barock noch vorallem nackte Frauen die sehr jung waren, gemalt, waren die Frauen im Spätbarock auch gerne mal reifere Damen und es wurde gerne mit der Erotik der Kleidung gepielt. Aber auch Scharmhaare wurden wieder getragen. Das zeigen u.a. die Illustrations from a Dutch printing of Juliette. Auf diesen Zeichnungen sind verschiedene sexuelle Spielarten des Marquis de Sade (1740 bis 1814) zu sehen. Interessant ist, das alle Frauen auf diesen Zeichnungen Scharmhaare haben. Meist wurde die Vulva nackt gezeichnet und auf den Zeichnungen überdurchschnittlich groß dargestellt. Die vergrößerte Vulva war sicherliche aus den Fantasien von de Sade entsprungen. Aber man darf annehmen, das zumindest ein Teil der weiblichen Bevölkerung im Spätbarock Scharmhaare getragen hat.

Das 19. und 20. Jahrhundert

Der Ursprung der Welt (L’Origine du monde) von Gustave Courbet aus dem Jahr 1866 Am Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts trugen Frauen gerne auch mal richtig Haare zwischen den Beinen. Auf dem Bild rechts von Gustave Courbet (1819-1877) ist das mehr als deutlich zu sehen. Es waren aber auch viele Frauen dabei, die sich die Scharmhaare abrasierten. Schaut man sich Bilder der Akt-Malerei verschiedener Maler aus dieser Epoche an, so kann man aber erkennen, das der Trend immer weiter zur rasierten Scham ging. Vor allem in der gehobenen Gesellschaftsschicht setzte sich die Mode der kahlen Scham immer weiter durch. Man muss auch bedenken, das die Modelle der Aktmaler eher aus den ärmeren Schichten kamen. Es waren nicht selten Tänzerinnen oder auch Prostituierte die sich auf diese Weise ein kleines Zubrot verdienten.

Aktfoto gemacht von Eugène Durieu um 1850 Ein weiteres Indiz dafür, das im 19. Jahrhundert viele Frauen Scharmhaar trug ist die Aktfotografie. In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten frühen Aktfotografien sowie die ersten erotische Filme. Diese Fotos und Filme legen Zeugnis davon ab, das man zumindest unter den Tänzerinnen oder auch Prostituierten die Scharmhaare nicht immer abrasierte. Auf den Bild links sehen sie ein typisches Aktbilder aus der Mitte des 19. Jahrhunderst. Meist ist auf den Bildern dieser Zeit von der Scham nicht viel zu sehen. Aber wenn, dann haben die Frauen meist auch Schamhaare. Man sieht dies auch auf Bildern von späteren Aktfotografen wie z.B. Heinrich Zille (um 1900).

Erst im ersten Drittel des 20. Jahrhunderst war die Entfernung der Schamhaare in den meisten Ländern Europas (einschließlich Deutschlands) Mode. Dies zeigen u.a. Bilder die von den damaligen FKK-Geländen gemacht wurden. Drei Damen beim Liebesspiel (ca. 1910 / 1920), Fotograf ist unbekannt Während bei den Frauen sicherlich vornehmlich ästhetische Gründe für die Entfernung der Scharmhaare ausschlaggebend waren, spielten für die Männer der damaligen Zeit wohl eher rein praktische Gründe ein große Rolle. Man denke hier insbesondere an den ersten Weltkrieg und die hohe Zahl von Läusen an der Front (wegen mangelnder Hygiene im Feld). In Anlehnung an den deutschen Frontsoldaten nannte man die Damen (wenn man wusste, das sie rasiert sind) auch "feldgraue Weibersleut".

Nach dem Krieg wuchs das Selbstbewusstsein der Gesellschaft in Deutschland, vor allem das der Frauen. Im Deutschland von 1920 trugen die Damen der gehobenen Gesellschaft ihre Scharmhaare so, wie sie sich selber am besten gefielen. Man kann aber Annehmen, das die meisten Frauen ihre Scharmhaare entfernten. Denn, wie die Geschichte zeigt: Um zu höher die Akzeptant für die öffentlich Zuschaustellung intimer Körperbereiche ist, um so häufiger rasieren sich Frauen ihre Haare ab um sich absolut hüllenlos zeigen zu können.